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"Kreativ sein bedeutet ja nicht ein Problem zu lösen. Das ist mathematische Kreativität. Das ist vielleicht die Kreativität einiger Ingenieursberufe. Normalerweise bedeutet kreativ zu sein, etwas zu tun, wo man nicht weiß, was dabei herauskommt."

(Richard David Precht)

27.8.17 00:38


Türkei

Zwischen all den wirren und absurden Äußerungen, die seitens der AKP/Erdogan-Anhänger abgesondert werden, reiht sich folgende Behauptung ganz oben in die Kuriositätenliste ein: "Atatürk wurde damals von den westlichen Imperialisten erschaffen und in die Türkei installiert."
Ziel dieses Plans soll die Abschaffung des Sultanats und die Austreibung des Islams gewesen sein. Diese (Verschwörungs-)Theorie ist nicht nur falsch, sondern tappt gleichsam in die selbe Falle, die man durchschaut zu haben glaubt. Atatürk war Begründer der aus dem osmanischen Reich hervorgangenen "modernen Republik", richtig. Der westliche Imperialismus jedoch ist und war nie an irgendeiner Form von "Demokratisierung" oder "Modernisierung" anderer Länder interessiert. Nicht mal dann, wenn es um die Dezimierung des Islams geht. Ganz im Gegenteil. Der westliche US-Imperialismus setzt stets auf Destabilisierung, indem sie vorzugsweise (radikal-)religiöse Kräfte finanzieren, tolerieren und unterstützen, um sie im richtigen Moment als Feinde zu deklarieren. Sie haben den darin zugrunde liegenden ideologischen Zündstoff erkannt und ihn geopolitisch verwertbar gemacht - wie im Nahost-Konflikt sehr gut zu beobachten.
Erdogan stellt die Türkei stets als ein vom Westen diskriminertes und unterschätztes Land dar. Das stimmt sogar zu gewißen Teilen. Seine Anhänger bejubeln ihn, weil er genau das laut ausspricht. Diese nationale Jubelhaltung würde ich auch gerne einnehmen wollen, würde Erdogan den Islam nicht als politisches Instrument missbrauchen, mit der Absicht, die türkische Bevölkerung gesellschaftlich und politisch immer stärker zu spalten. Nie war das Land zuvor in seiner Geschichte gespaltener wie jetzt. Ja, womöglich war sie das schon immer, doch mittlerweile befindet sich das Land gesellschaftlich in einer Situation, in dem Menschen nur noch in zwei Lager unterteilt werden: In Erdogan-Anhänger und in Terroristen/Volksverräter. Die Türkei ist zu einer verfeindeten Parteiengesellschaft verkommen.
In der Türkei traten früher alle zur Wahl stehenden Präsidentschaftskandidaten mindestens einmal live im Fernsehen gegeneinander an (z.B. 1991: youtube.com/watch?v=niqVS6ovS68). Es gab eine im Vergleich zu heute gesündere Debattenkultur. Inzwischen hat man den Dialog zueinander verloren. Anfeindungen, Zwietracht und Meinungsunterdrückung prägen stattdessen den Alltag.
Die Türkei ist dann am Stärksten, wenn das gesamte Volk auf Zusammenhalt hinarbeitet, nicht auf Spaltung.

Mit dieser bewusst herbeigeführten Spaltung seitens der AKP-Regierung spielt man dem "westlichen Imperialismus" umso mehr in die Karten.

22.8.17 23:23


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